Teil 1: Mein erster Marathon

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So kann man’s machen, sollte man aber nicht unbedingt!

 

Wie man einen Marathon rennt (oder auch nicht) !

 

 

Das war schon ein Wink des Schicksals als ich im Mai einen Anruf von BMW bekam, in dem man mich zum Gewinn einer Teilnahme am Berlin-Marathon am 25.September beglückwünschte. Ich konnte mich zunächst gar nicht daran erinnern, bei einem Marathon-Gewinnspiel mitgemacht zu haben. Als die Dame mir aber eröffnete, dass der Hauptpreis die Bereitstellung eines BMW i3 für ein ganzes Jahr gewesen wäre, viel der Groschen. Ich sollte also statt gemütlich mit einem schicken Elektroauto überall hinzufahren durch die Gegend rennen? Nun ja, wenn die Vorhersehung das so will, dann mach ich das eben. Schließlich habe ich schon mal den Stadtlauf in Leipzig über 10km mit Bravour gemeistert. 😉

 

Mitte Juni erhielt ich dann die Gewinnbenachrichtigung, die es offiziell machte. Ich habe sogleich meine Laufschuhe geschnürt, und bin eine kleine Runde durch den Wildpark gejoggt (6km). Puh … irgendwie hatte ich das einfacher in Erinnerung. Wie sollte ich mich denn die nächsten 3 Monate motivieren um am Ende die 42,195km in Berlin runterzureißen? Ich brauchte einen  Antrieb: Am besten ich verkünde es erstmal möglichst vielen Leuten, die mich dann damit aufziehen können. Um das aber nicht plump über die sozialen Netzwerke rauszuposaunen, überlegte ich mir, meinen Lauf einer guten Sache zu widmen. Plant-for-the-planet (www.plant-for-the-planet.org), eine gemeinnützige Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat Kindern den Naturschutz näher zu bringen und 100 Milliarden Bäume bis 2020 pflanzen will, schien mir genau der richtige Ansporn zu sein. Meine Idee: Ich besorge mir ein T-Shirt, lasse die Leute Geld für Bäume spenden und zur Belohnung trage ich dann ihre Namen auf diesem T-Shirt während des Marathons durch die Gegend. Mit betterplace.org hatte ich auch sogleich eine erfahrene Fundraisingplattform an der Hand.

 

Über das Training selbst machte ich mir weniger Gedanken. Eigentlich müsste es doch möglich sein, einen Marathon zu schaffen, wenn man täglich trainiert und immer ein bißchen länger durchhält. Dachte ich jedenfalls zuerst! Denn prompt stellten sich nach kurzer Zeit Schmerzen im Knie ein. Natürlich versuchte ich sie so gut es eben ging zu ignorieren. Schließlich hatte ich ein Ziel vor Augen. Irgendwann ging es aber nicht mehr, und der Gang zum Orthopäden wurde unausweichlich. Dieser schüttelte nur den Kopf, und riet mir von einer Teilnahme ab. Aber was weiß so ein Quacksalber schon vom Laufen. Eine Zweitmeinung musste her, am besten natürlich von einem Sportarzt. Zu meinem Erstaunen war dieser allerdings ähnlich skeptisch. Wenigstens hat er es nicht gleich verboten. Stattdessen musste ich mein Training erst einmal auf Eis legen und bei der Physiotherapie gemeinsam mit ein paar dutzend Rentnern meine Knochen, Sehnen und Muskeln neu sortieren. Das erforderte einige Disziplin und Zurückhaltung. Es war schließlich schon Juli.

 

Stadtlauf Leipzig, 10km, Ziel, Sportscheck, Lauf
Stadtlauf Leipzig

Anfang August fühlte ich mich soweit genesen, daß ich wieder mit einem leichten Lauftraining begann. Jetzt nur noch 2 bis 3 mal in der Woche, und mit Pausen bei dem kleinsten Zeichen von Überanstrengung. Außerdem besorgte ich mir ein paar neue Laufschuhe mit guter Dämpfung. So steigerte ich langsam meine Laufdistanz auf 18km am Stück und war auch recht flott unterwegs. Es wurde also Zeit für eine Bewährungsprobe unter Wettkampfbedingungen. Also quetschte ich mich am ersten Septemberwochenende mit zigtausend anderen Laufbegeisterten auf den Leipziger Rathausplatz zum jährlichen Stadtlauf von Sportscheck, um mit Ihnen um die Wette zu rennen. Das Ergebnis war verblüffend und machte Lust auf mehr. Ich war auf der 10km Strecke mit 44:39min fast eine viertel Stunde schneller, als noch 2 Jahre zuvor ohne Training. Ich fühlte mich bereit für Berlin!

 

Berlin Marathon Unterschrift
Wall of Fame

Für das Rennwochenende nahmen sich mein kleiner eigens angereister Fanclub und ich ein Zimmer in Berlin. Die Abholung der Teilnehmerunterlagen auf der Messe „Berlin Vital“ war eine logistische Meisterleistung des Veranstalters „SCC-Events„. Das Gedränge war groß, sowohl von Seiten der Lauffreunde als auch von den vielen namhaften Sportartikelherstellern. Kurz gesagt: der Merchandise-Rubel rollte! Aber ich war nicht hier um mich mit den neuesten Accessoires auszustatten, sondern um in den Straßen von Berlin zu laufen.

 

Berlin Marathon
Auf der Strecke

Und das machte ich auch! Aber erstmal hieß es warten. Als Marathon-Neuling muss man sich nämlich ganz hinten anstellen. Bis schließlich alle in Bewegung kommen, dauert eine kleine Weile. Dann konnte ich endlich durchstarten: Gemeinsam mit über 40.000 anderen Marathonis rannte ich bei bestem Wetter einmal quer durch Berlin, angefeuert von meinem kleinen Fanclub und (gefühlten) 1 Million Schaulustigen am Straßenrand. Es wurde von Kilometer 1 bis zum Ziel durchgehend gesungen, getanzt, gejubelt und abgeklatscht. Die Stimmung war grandios. Meine angestrebte Zielzeit von unter 4 Stunden war auf den ersten Metern schon vergessen, stattdessen ließ ich mich einfach treiben. Nicht vergessen habe ich dabei aber die Anweisungen meines „Coaches“ Carli: „Egal was du machst. Du musst immer genug trinken!“. Dafür war natürlich auf der Strecke reichlich gesorgt. Und so lief ich dann (10km) … und lief (20km)… und lief (30km) und lief (40km) und … erreichte irgendwann, gut 1,5 Stunden nach Kenenisa Bekele und Wilson Kipsang, als 8.205ter mit einer Nettozeit von 3:37:15h das Ziel. Erschöpft: JA! Aber auch überglücklich dabeigewesen zu sein!

 

Die After-Party im KOSMOS habe ich mir dann doch verkniffen. Meiner Meinung nach hatte ich für einen Tag genug schwitzende Menschen in engem Gedränge erlebt. Stattdessen sind wir am Abend in ein Restaurant eingekehrt und haben den Tag gemütlich bei ungesundem Essen und vielen Getränken (ich war nach der Rennerei ziemlich ausgedörrt) ausklingen lassen.

 

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, daß mir am nächsten Tag sämtliche Körperteile geschmerzt haben. Aber auch das war schnell vergessen. Nicht vergessen werde ich jedoch das großartige Gefühl dabei gewesen zu sein, und mich durchgebissen zu haben. Das macht Lust auf mehr. Meine Läuferkarriere hat gerade erst begonnen!

 

Zieleinlauf durch das Brandenburger Tor

 

 

Nachtrag: Besonderer Dank gilt Carli, meiner „Coach(in)“ für den Marathon und treuen Begleiterin bei all dem Unfug den ich mir immer ausdenke. Du hast mich während meiner Zwangspause wieder aufgebaut, mich immer unterstützt und bist immer an meiner Seite. Shaka!

 

Nachdem nun ein paar Tage verstrichen sind, habe ich beschlossen weiter zu machen und mich auf meinen nächsten Marathon vorzubereiten. Dieses mal nehme ich mir allerdinges mehr Zeit, habe einen ausgeklügelten Trainingsplan, achte mehr auf gesunde Ernährung und nehme an einem Laufseminar teil. Verpasst also nicht den 2. Teil meiner „Running-Saga“ mit dem Titel „Mein zweiter Marathon – So kann man’s machen, sollte man auch!“

 

 

 

 

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Noch schnell eine kleine Mathematikübung, dann geht's auch schon weiter ... *